Abteilung

Signatur

A Sp III/14r

Abteilung

Archiv Cathomas/Caviezel

Erläuterung

Das Familienarchiv Cathomas-Caviezel setzt sich aus fünf Teilbeständen zusammen, nämlich den unter den Rubriken Caviezel, Stocker-Caviezel, Meyer-Stocker, Hürlimann-Stocker und Cathomas-Meyer zusammengetragenen Archivaliensammlungen. Die Teilbestände wurden zusammen belassen, obwohl sich damit die gewählten Ordnungsprinzipien nicht immer durchhalten liessen bzw. Doppelspurigkeiten in Kauf genommen wurden. Für die Bündner Geschichte sind vor allem die Teilbestände Caviezel und Cathomas-Meyer von Bedeutung. Innerhalb der Teilbestände sind die Archivalien in der Regel nach Personen geordnet, wobei die Schriftensammlungen zu Johann Caviezel (1764-1824), Caroline Caviezel-Piccoli (1785-1839), Johann Rudolf Caviezel-Dalp (1805-1901), Caroline Stocker-Caviezel (1829-1914) und Emmy Meyer-Stocker (1850-1893) besonders umfangreich sind.

HLS Link: http://www.e-lir.ch/index.php?id=450&t_articles_id=597&lemma=&chavazzin=caviezel&lemma_lang=

Der Bestand des Archivs gibt nicht nur über die Geschichte der Familie Caviezel Aufschluss, sondern ist auch für die Aufarbeitung der Auswanderung von Graubünden in den baltischen Raum von grosser Bedeutung. Aus dem Bestand geht hervor, dass die Familie Caviezel aus Zillis für die zu Ende des 18. Jahrhunderts einsetzende Einwanderung von Bündner Konditoren und Kaufleuten in das Baltikum eine zentrale Rolle spielt. Zunächst wanderte Martin Simon (1737-1805) nach finanziellen Einbussen im Viehhandel mit Italien nach Anklam in Preussisch-Pommern aus und übernahm dort eine Konditorei mit Kaffeehaus. Insgesamt vier Söhne folgten ihm nach Deutschland und führten später in Riga ein eigenes Konditoreigeschäft. Die Firma Caviezel in Riga wurde in der Folge zu einem wichtigen Anziehungspunkt für junge Schamser Zuckerbäcker. Allein im Zeitraum von 1815 bis 1830 traten dort nicht weniger als 13 Schamser Lehrlinge oder Angestellte in Dienst. Das Familienunternehmen, das zuerst ausschliesslich im Zuckerbäckergewerbe tätig war, stieg 1826 zusätzlich in den Weingrosshandel ein.

Dank der kommerziellen Erfolge konnte sich die Familie innerhalb von kurzer Zeit sowohl in Riga als auch in Chur, wo sie 1805 das prächtige Rigahaus erwarb, gesellschaftlich etablieren. Die Söhne und Töchter heirateten Angehörige der reichsten und angesehensten Churer Familien – so der Bener, Bernhard und Dalp. In der Folge beteiligten sich diese Familien aktiv am Russlandgeschäft. Einzelne Angehörige der Familie Caviezel übten in Riga wichtige Ämter aus. So wirkte Johann Rudolf Caviezel (1805-1900) um 1840 als Vorsteher der reformierten Kirche in Riga; dessen Söhne Rudolf Heinrich Caviezel (1838-1885) und Carl Johann Caviezel (1836-1897) übten von 1868 bis 1897 nacheinander das Amt eines Schweizer Konsuls in der Stadt aus. Nach der Jahrhundertwende ging die Ära der Familie in Riga zu Ende. Nachdem die Firma mehrere Jahre von Angestellten in unbefriedigender Weise geführt worden war, liquidierte Reinhold Rudolf Meyer (1843-1909) das Familienunternehmen in Riga 1908.

Provenienz

Migration

Stufe Zielsystem

Bestand